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Grundlagen für die VR-360-Video-Produktion

Vorwort

Dieses Handbuch ist für die Entwicklung von 360° Filmen als allgemeiner Ratgeber entwickelt worden, welches als Einstiegshilfe in die Thematik dienen soll.

Das Handbuch ist in vier Kapiteln unterteilt: Kamera, Sound, Endprodukt und Checklisten. Zu Beginn befindet sich das Inhaltsverzeichnis, in dem die Unterteilung der einzelnen Kapitel aufgezeigt werden.

Für jedes Kapitel gibt es eine Übersicht, welches das jeweilige Kapitel einleitet. Die Relevanz der einzelnen Punkte werden anhand der Größe der Kreise und Entfernung zum Mittelpunkt visualisiert.

Tipps und Tricks in den einzelnen Abschnitten helfen dabei mögliche Stolpersteine zu vermeiden. Um wichtige Punkte abzuarbeiten, bieten Checklisten im Anhang Hilfe.

Viel Erfolg mit dem Ratgeber.

Das Team vom Dogs Daily Struggle
Medienprojekt WS 16/17

Kamera

KAMERA PRE-PRO

1.1
Ideensammlung
Am Anfang jedes Projektes steht die Idee.

1.2
Equipment Zusammenstellung
Für einen 360° Film ist das Equipment mehr als wichtig. Man benötigt sechs absolut identische Kameras. Jede Kamera zeichnet in eine der
sechs Richtungen auf. Die Aufnahmen der Kameras müssen sich überlappen, damit diese später zusammengeführt werden können.

1.3
Locationbesichtigung
Alles was zusätzlich zu den Kameras benötigt wird, muss gut versteckt werden, da die Kameras in allen Richtungen aufzeichnet und das Equipment sonst zu sehen wäre.

1.3.1
Licht
Einen 360° Film kann man nur mit Lichtquellen vor Ort realisieren. Es sollten keine externen Scheinwerfer genutzt werden, da die Kameras in allen Richtungen aufzeichnet und man sie nicht verstecken kann.

1.3.2
Crew
Auch die Crew würde man im Film sehen, wenn sie sich im selben Raum wie das Stativ mit den Kameras aufhalten würden.

KAMERA PRODUKTION

1.1
Sechs Kameras und ein Rig
Für den Dreh eines 360° Filmes benötigt man sechs absolut identische Kameras.  Die Kameras werden in einem Rig angebracht, sodass jede Kamera in eine der sechs Richtungen aufzeichnet. So entstehen sechs einzelne Videos, die in ihrem Aufnahmewinkel überlappen.

1.1.1
Labeling Kameras
Die Kameras sollten durchnummeriert werden. Es ist wichtig zu wissen, welche Kamera auf welcher Position ist. Eine sinnvolle Nummerierung wäre A1-F1.

1.1.2
Speicherkarten
Die Speicherkarten müssen alle identisch sein. Die Karten sollten ausreichend Speicherplatz vorrätig haben und eine hohe Leserate aufweisen. Außerdem ist es sinnvoll einen zweiten Speicherkartensatz zu haben.

1.1.3
Labeling Speicherkarten
Die Speicherkarten sollten, wie die Kameras auch, nummeriert werden. Eine sinnvolle Nummerierung wäre von A2-F2.

1.2
Kameraeinstellungen
Alle sechs Kameras müssen identisch eingestellt werden.

1.2.1
Aufnahmeformat
Das Aufnahmeformat sollte bei 4:3 (1044p) liegen. Hier ist gewährleistet, dass die einzelnen Aufnahmen im richtigen Winkel zueinander aufgenommen werden.

1.2.2
Bildfrequenz
Wählt eine Bildfrequenz von 50 fps PAL oder 60 fps NTSC. So kannst Du später die Kameras feiner synchronisieren.

1.2.3
Weißabgleich
Mit dem Weißabgleich werden die Kameras auf die Farbtemperatur des Lichtes am Aufnahmeort sensibilisiert. Es ist wichtig, bei allen Kameras den gleichen Weißabgleich einzustellen.

1.3
Abstände Kamera – Objektive
Durch die Überlappungsräume der Aufnahmen muss darauf geachtet werden, einen ausreichenden Abstand zu Objekten einzuhalten. Das Bild wird sonst zu sehr verzerrt und die Aufnahme ist nicht mehr zu gebrauchen. Außerdem muss der Stitching-Totpunkt (ca. 1m um die Kameras herum) beachtet werden.

1.4
Live-View
Live-View per App (Capture): Durch diese App könnt ihr sehen, was die einzelnen Kameras in diesem Moment aufnehmen und die Sicht somit kontrollieren.

1.5
Akkulaufzeit
Bei den Akkus der Kameras muss unbedingt auf die Akkulaufzeit geachtet werden. Beim Dreh sollten min. zwei Akkusätze verwendet werden, um den Dreh nicht zu unterbrechen. Grundsätzlich gilt: Genügend Akkus vor Ort haben.

1.6
Linsencheck
Saubere Linsen sind das A und O. Durch das ständige Zusammen- und Auseinanderbauen der Kameras im Rig gelangt sehr schnell der eine oder andere Fingerabdruck auf die Linsen. Vor jeder Aufnahme checken.

1.7
Fernbedienung
Mit der Fernbedienung können alle sechs Kameras gleichzeitig an- und ausgeschaltet werden, was die Synchronisation der einzelnen Filme erleichtert. Dennoch muss überprüft werden, ob wirklich immer alle Kameras laufen.

1.8
Aufnahmecheck
Es ist sehr wichtig, dass alle Kameras laufen. Nimmt nur eine Kamera nicht auf entstehen Lücken im Gesamtbild Und die gesamte Szene ist nicht mehr zu verwenden!

1.9
Synchronisation
Die vorherige Synchronisation erspart eine Menge Arbeit in der Postpro. Durch einen Synch wird erkannt, ab wo die einzelnen Spuren zeitgleich beginnen.

1.10
Material-Archivierung
Das aufgenommene Material sollte nach jedem Schuss mindestens zweimal auf verschiedenen Medien gesichert werden.

1.10.1
Labeling Material
Die Ordnerstruktur sollte identisch zu der Benennung der Kameras inkl. Speicherkarten gewählt werden. Damit wird sichergestellt, dass die Aufnahmen leicht zu finden sind. Das erspart in der Postproduktion eine Menge Arbeit.

Alle Dateien befinden sich in einem Ordner. Der Ordner ist in mehrere Unterordner unterteilt. Erst folgt die Reihenfolge der einzelnen Szenen, dann die Shots und zum Schluss die einzelnen Videos.

KAMERA POST-PRO

1.1
Stitching
Stitching bedeutet, dass alle sechs Videos verzerrt und anhand ihrer Überlappungen zusammengefügt werden. Stitching bezeichnet das Erstellen einer großen Aufnahme aus verschiedenen kleineren Einzelaufnahmen. Das Ergebnis ist das equirectangular verzerrte Bild.

1.2
Workflow
Der Workflow in „Autopano Video Pro“ und „Autopano Giga“ wird in
den folgenden Punkten beschrieben.

1.2.1
Synchronisation
Die Videos werden in dem Programm Autopano Video Pro entweder mit „motion“ oder „audio“ synchronisiert. Anschließend kann man die Synchronisation mit Hilfe der Vorschau-Videos im Reiter „Input Videos“ framegenau verfeinern. Im Anschluss wird das erste mal gestitcht, um ein Panorama zu erhalten.

1.2.2
Horizont angleichen
Der Horizont wird in der Echtzeitvorschau mit Hilfe des Anzeigegitters korrigiert. Auch der Bereich „Horizon“ unter der Timeline sollte mit dem Schneidewerkzeug in Regionen eingeteilt und die einzelnen Regionen korrigiert werden.
Ortswechsel: Wenn es im Video Ortswechsel (drinnen/draußen) geben sollte, dann sollte unter der Timeline im Bereich „Stitch“ das Schneidewerkzeug verwendet werden, um das Video in verschienene Bereiche einzuteilen. Diese werden dann einzeln gestitcht, um einen besseres Ergebnis zu erhalten.

1.2.3
Finishing
Mit Hilfe von „Autopano Giga“ kann man den Stitch mittels Markersetzung und Kontrollpunkten verfeinern.

Sound

SOUND PRE-PRO

1.1
Ideensammlung
Passend zu dem Filmmaterial müssen Tonaufnahmen geplant werden.

1.2
Equipment Zusammenstellung
Das Equipment muss je nach Location und Art des Films zusammengestellt werden. Funkstrecken und Lavaliermikrofone sind ein gutes Hilfsmittel Ton aufzuzeichnen. Ausreichend Batterien für die Funkstrecken und ggf. den Audiorekorder einplanen.

1.3
Locationbesichtigung
Bei der Locationbesichtigung gibt es auch hier einiges zu beachten. Alles was zusätzlich an Aufnahmegeräten benötigt wird, muss gut versteckt werden, da die Kameras in allen Richtungen aufzeichnet und das Equipment sonst zu sehen wäre.

1.3.1
Aufnahme
Es muss genau entschieden werden, wie der Ton aufgenommen werden kann. Überprüft, ob es überhaupt möglich ist gleichzeitig zu filmen und den Ton aufzunehmen. Bspw. ist es nicht möglich den Ton über eine übliche Angel aufzunehmen, da sonst der Tonmeister und seine Angel mit im Bild wären.

SOUND PRODUKTION

1.1
Funk
Die Mikrofone sollten in der Umgebung gut integriert werden, ohne dass sie dem Betrachter auffallen könnten. Es muss sichergestellt werden, dass die Entfernung zum Flashrecorder über Funk ausreichend ist.

1.2
Ansteckmikrofone
Personen können sehr gut mit Ansteckmikrofonen aufgenommen
werden.

1.3
Stativ
Bei Aufnahmen mit fester Einstellung auf einem Stativ können Mikrofone bspw. für die Atmo unter dem Stativ versteckt werden, da sich hier ein toter Winkel befindet.

1.4
Nachträgliche Vertonung
Alle Sounds, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht aufgenommen werden können, sollten aufgeschrieben und nachträglich aufgenommen werden.

SOUND POST-PRO

1.1
Framerate
Beim Anlegen des Projekts in der Digital Audio Workstation (DAW) ist es zunächst wichtig mit dem Schnitt Rücksprache bezüglich der Framerate zu halten. Eine DAW ist ein Audio-System zur Bearbeitung von Audio-Aufnahmen.

1.2
360°Sound
Der Sound ist ein sehr wichtiger Punkt. Der Ton sollte sich den Kopfbewegungen des Rezipienten anpassen. Dieser wird so bestmöglich in die virtuelle Umgebung eingegliedert.

Soll das Video spatial Audio enthalten (Raumklang der den Kopfbewegungen folgt) muss man sich mit dem Thema Ambisonic B-Format auseinandersetzen. Plug-Ins, wie z.B. AmbiPan und AmbiHead der Firma „Noise Makers“ (http://noisemakers.fr), helfen dabei einfach und schnell Spatial Audio für YouTube zu generieren.

Endprodukt

Verbreitung

1.1
Bild und Ton
Bild und Ton müssen unter Berücksichtigung der Anforderungen der Plattform (z.B. YouTube) zusammengefügt werden, was Framerate, Auflösung, Container, Codecs und Datenrate betrifft.
Zum Zusammenfügen von Bild und Ton (vor allem wenn es sich um Spatial Audio handelt) ist „ffmpeg“ ein nützliches und schnelles Tool zum muxen.

1.1.1
Workflow
Dazu muss das Video ohne Ton exportiert werden (aus der Stitching App, Premiere oder After Effects etc.) sowie der Ton aus der DAW. Per ffmpeg können Video und Ton ohne Renderzeiten und mit den korrekten Spezifikationen gemuxt werden.
Danach muss das fertig gemuxte Video mit dem „Spatial Media Metadata Injector“ mit Metadaten versehen werden, so dass YouTube mit dem Video entsprechend umgehen kann.
Wenn Spatial Audio zum Einsatz kommen soll, ist bisher YouTube die beste Plattform zum veröffentlichen.

1.2
Plattform
Das Endprodukt kann über Plattformen wie Youtube veröffentlicht werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Einbetten mit VRVie von Google auf einer Website. Ohne Plattform oder Einbettung ist ein VR-Player erforderlich.

1.3
Smartphone
Das Smartphone braucht lediglich eine Voraussetzung.  Es müssen Gyrosensoren vorhanden sein.

1.4
VR Brille und Kopfhörer
Um das richtige Erlebnis eines 360° Filmes zu erfahren, sollte beim Anschauen eine VR-Brille getragen werden. In diese VR-Brille wird ein Smartphone integriert, auf dem der Film abläuft. Außerdem sollten Kopfhörer für das 360° Sounderlebnis verwendet werden. Es ist wichtig, dass euer VR-Player Spatial Audio unterstützen.

Checklisten als Hilfestellung

Um sicher zu gehen, dass ihr bei der Vorproduktion, bei der Produktion und bei der Postproduktion sowie bei dem Endprodukt an alles gedacht habt, könnt ihr euch die folgenden Checklisten kopieren und als Hilfsmittel einsetzen.

Wir wünschen viel Erfolg!

PRE-PRO

  • Zielmedium festgelegt

  • Idee finalisiert

  • Drehbuch erstellt

  • Storyboard angefertigt

  • Drehzeitraum festgelegt

  • Zeitplan erstellt

  • Equipment bestellt

  • Location steht fest

  • Lichtsituation geplant

  • Verstecke Licht

  • Verstecke Crew

  • Verstecke Mikro

PRODUKTION

  • Equipment vollständig

  • Kameras gelabelt

  • identische Speicherkarten

  • Speicherkarten gelabelt

  • zweiten Speicherkarten-Satz

  • Kameras identisch eingestellt

  • Kameras synchronisiert

  • Fernbedienung funktioniert

  • Akkus sind voll

  • zweiter Akkusatz lädt

  • Kameras nehmen alle auf

  • Live Kamerabild übertragen

  • Linsen sauber

  • Daten kopiert und archiviert

  • doppelte Datensicherung

  • keine Kopie der Kopie

  • Funkstrecken überprüft

  • Atmos aufgenommen

  • am Drehort probegestitcht

POST-PRO

  • Videos synchronisiert

  • Synchronisation verfeinert

  • Panorama gestitcht

  • Horizont angeglichen

  • auf Ortswechsel geachtet

  • Marker zum Finishing gesetzt

  • Kontrollpunkte eingefügt

  • Stitch verfeinert

  • Framerate Video gleich Sound

  • Spatial Audio generiert

  • Ton und Video gemuxt

  • Ergebnis getestet mit VR-Headset

VERBREITUNG

  • Anforderungen der Plattform berücksichtigt

  • Bild und Ton zusammengefügt

  • VR Brille und Kopfhörer getestet

  • passendes Smartphone organisiert

  • VR-Player überprüft

  • Endprodukt veröffentlicht

Den Guide als pdf downloaden:

PDF GUIDE (5MB)

Beispiele gefällig?

Hier werden die 360°-Videos der HS-OWL vorgestellt:

Dog’s daily struggle

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M.A. Jan Pieniak
Fachbereich 2 Medienproduktion
Hochschule Ostwestfalen-Lippe
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